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Umweltschutz und Logistik - heute kein Widerspruch mehr

Die Entwicklung des Umweltschutzes geht in Deutschland bis ins 18. Jahrhundert zurück. Doch erst seit das Klima Kapriolen schlägt, steht der Komplex Umweltschutz und Logistik im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Negative Umweltbelastungen des Waren- und Güterverkehrs bilden - neben Engpässen in der Infrastruktur - einen Brennpunkt der Debatte. Denn im Zeitalter der Globalisierung sind Lieferungen in die abgelegendsten Winkel der Welt nicht nur möglich, sondern gefordert. Lange schienen Logistik und Ökologie unvereinbar. Doch heute kreieren und nutzen Verlader und Logistik-Dienstleister zunehmend Möglichkeiten eines umwelt- und klimabewussten Transportmanagements.

Die Angst vor den Auswirkungen massiver Umwelt- und Klimaschädigungen ist kein Produkt des 20. Jahrhunderts. Klagen über Rauchgasschäden, über die Folgen von Abholzungen und den Bergbau sowie mahnende Stimmen, die besorgt die Natur- und Landschaftszerstörung beklagen, lassen sich bis in die griechische Antike zurückverfolgen.

In Deutschland reichen die Vorläufer der heutigen Ökologiebewegung bis in das Jahr 1871 zurück. Zu jener Zeit der Reichsgründung erlebte die bis dahin nur zögerlich erfolgte Industrialisierung in Deutschland einen kräftigen Aufschwung. Schnell wurden die Folgen für die Umwelt überall spürbar. Als Reaktion darauf veröffentlichten aufgebrachte Ärzte, Ingenieure und andere Wissenschaftler Gutachten und gründeten Vereine pro Natur. Darunter der 1877 in Köln ins Leben gerufene "Internationale Verein gegen Verunreinigung der Flüsse, des Bodens und der Lüfte". Am 1. September desselben Jahres wurde in Preußen eine Verfügung erlassen, die einem Einleitungsverbot städtischer Abwässer in die Flüsse gleichkam. Doch die Wirkung verpuffte, da die Hauptursache der Wasserverschmutzung im jungen Deutschen Reich nicht beseitigt werden konnte: das starke Anwachsen der industriellen Betriebe.

Die Gründungen des "Bundes für Vogelschutz" 1899 durch die Industriellengattin Emilie Karoline Hähnle und des "Bundes Heimatschutz" 1904 durch den Musiker Ernst Rudorff markierten den Beginn des bürgerlichen Naturschutzes. Eine der größeren Aktionen der Heimatschützer war der Protest gegen ein Laufkraftwerk bei Laufenburg am Oberrhein, dem die dortigen Stromschnellen zum Opfer fallen sollten. Der Bund Heimatschutz sammelte Unterschriften, organisierte 1906 eine Demonstration mit ca. 15.000 Teilnehmern, wurde unter anderem von Max Weber unterstützt und versuchte, alternative Planungsentwürfe durchzusetzen.

Der Waren- und Güterverkehr spielte für den Umweltschutz zu jener zeit wie auch in den folgenden Jahrzehnten keine Rolle. Als Willy Brandt 1961 in einer Wahlkampfrede den "Blauen Himmel über der Ruhr", forderte, hatte er die qualmenden Schornsteine der Industrie-Anlagen im Blick, nicht aber die Lkw, welche die Rohstoffe und produzierten Güter anlieferten beziehungsweise abtransportierten.

Der Begriff "Umweltschutz" kreierte 1969 ein Beamter im Bundesgesundheitsministerium. Er empfand den Namen seiner Abteilung "Gewässerschutz, Luftreinhaltung und Lärmbekämpfung" zu umständlich und lehnte sich an den US-amerikansichen Ausdruck environmental protection an. In den ersten Jahren der sozial-liberalen Koalition war der Umweltschutz keine Reaktion der Bundesregierung auf den Druck der Öffentlichkeit, sondern ging der eigentlichen Ökologiebewegung voraus.

Bundesminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) brachte 1972 das Abfallbeseitigungsgesetz und 1974 das Bundes-Immissionsschutzgesetz auf den Weg. Dazu musste auch die Verfassung geändert werden, weil dem Bund hierfür keine Gesetzgebungskompetenz zustand, die er im Wasserrecht auch heute noch nicht hat. Genscher setzte auch die Gründung des Umweltbundesamtes in Berlin durch, was zu langjährigen rechtlichen Konflikten mit der DDR und der Sowjetunion führte.

Einen Meilenstein im Umweltbewusstsein stellte 1972 die Veröffentlichung der vom Club of Rome in Auftrag gegebenen Studie über die Grenzen des Wachstums dar. Weltweit entwickelte sich ein Umweltbewusstsein, das in Widerspruch trat zur reinen Fortschrittsdiktion. Und dieses umso mehr, als im Herbst 1973 die Industrienationen mit der "Erdölkrise" konfrontiert wurden. In der Bundesrepublik begannen daraufhin die Planungen von Standorten für Atomkraftwerke, Wiederaufbereitungsanlagen und Zwischen- und Endlagerstätten. Sie erregten massive Proteste der Bürgerinitiativen gegen die Atomkraft. Mit der Gründung des "Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschlands" (BUND) am 20.7.1975 gelang auf Initiative des Journalisten und TV-Moderators Horst Stern die Zusammenführung von Naturschutz und Umweltschutz. Zur Teilnahme an der Europawahl 1979 gründete sich die "Sonstige politische Vereinigung DIE GRÜNEN", aus denen im Dezember 1980 die Bundespartei DIE GRÜNEN hervorging.

Im November 1981 machte der SPIEGEL in einer dreiteiligen Serie das "Waldsterben" bekannt. Zum ersten Mal wurde der Öffentlichkeit bewusst, wie großflächig Umweltschäden auftreten können, wie komplex die Zusammenhänge sind und wie wenig nationale Grenzen eine Rolle spielten.