Treibriemen für Mensch und Gesellschaft | |
Kultur und Wirtschaft eint eine gemeinsame Aufgabe: Sie erfüllen die physischen und psychischen Grundbedürfnisse des individuellen und sozialen Lebens. Darüber hinaus hat die Kultur zahlreiche wirtschaftliche Aspekte - und umgekehrt. So gilt ein Unternehmen heute als rückständig, wenn es keine ausformulierte Unternehmenskultur präsentieren kann. Darin können Kunden, Geschäftspartner und neue Mitarbeiter nachlesen, welche gemeinsam getragenen Grundüberzeugungen, Werte und Einstellungen die Belegschaft eint. Das Gestalten der Unternehmenskultur muss primär die drei Hauptströmungen eines modernen Wirtschaftsbetriebes harmonisieren: Unternehmensziele, Mitarbeiterzufriedenheit und Kundenorientierung. Je besser sie aufeinander abgestimmt sind, desto besser kann sich das Unternehmen am Markt behaupten. | Doch auch im eigentlichen Kulturbetrieb stehen etliche Unternehmen nicht abseits. Als Sponsoren und Mäzene leisten sie einen wichtigen und nicht mehr wegzudenkenden Beitrag zur kulturellen Vielfalt in der Bundesrepublik. Dabei ist das kulturelle Engagement bewusster Bestandteil der Unternehmens-Kommunikation und wird als gewinnbringende Investition in Identität und Image genutzt. Im Gegenzug hält die Kultur der Wirtschaft im Zeitalter der Globalisierung immer häufiger den Spiegel vor und deren Akteure dazu an, ihr effizienzorientiertes Wertesystem zu hinterfragen. An dieser spannungsgeladenen Schnittstelle von Kultur und Wirtschaft finden Redakteure der Redaktion Eberhard Pilot ihre Themen. |
"Scheitern kann etwas sehr Produktives sein" | |
Wilfried Schulz, Intendant des schauspielhannover, erläutert im Gespräch mit Eva Pilot und Collin Scholz, Redaktionsbüro Eberhard Pilot, seinen Spagat zwischen Kunst und Kommerz, seine Kritik am Primat wirtschaftlicher Kategorien in unserer Gesellschaft und was Unternehmer von Theatermachern lernen können.
| REP: Herr Schulz, jedes Theater ist zugleich auch ein Wirtschaftsunternehmen, wenn auch ein Besonderes. In welchem Maß beeinflusst dieser Fakt Ihre Arbeit? Schulz: Natürlich sind wir ein sehr streng geführter kaufmännischer Betrieb mit einem hohen Umsatz von rund 50 Millionen Euro im Jahr. Und natürlich haben wir sehr exakte Kalkulationen für unsere Inszenierungen. Das betrifft sowohl die Höhe der Zuwendungen als auch die Höhe der Eigeneinnahmen, die wir zu erbringen haben. Ich schaue mir jeden Morgen die Analysen an, kontrolliere die Tageseinnahmen und den Verkauf. Es gibt ein hohes Bewusstsein, dass man sich in einem effektiv zu führenden Betrieb befindet und dass ich den als Geschäftsführer auch mitverantworte. |
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